Saarbrücker Zeitung
Die Saarbrücker Zeitung ist eine Tageszeitung mit einer Auflage von ca. 180.000 Exemplaren und 11 Regionalausgaben. Die Prepress-Verarbeitung bei der SZ ist voll digitalisiert und arbeitet unter Color-Management-Bedingungen. Seit Oktober 2004 wird der neue ISO-Prozessstandard 12647-3 angewandt. Für die Steuerung des Bildworkflows und die Bildoptimierung bzw. Voroptimierung wird bereits seit Anfang 2000 der Claro PreMedia Server von Elpical in Verbindung mit Adobe-Photoshop eingesetzt. Dazu wurde auch eine Schnittstelle zum CCI-Redaktionssystem realisiert.
Bei der Saarbrücker Zeitung wird jedes Bild nach der automatischen Bildoptimierung überprüft. Gerhard Merker, Produktionsmanager IT bei der Saarbrücker Zeitung, sieht dies aus Qualitätsgründen als unabdingbar an: „Die Eingangsqualität lässt teilweise so zu wünschen übrig, dass wir uns auf die automatische Optimierung allein nicht verlassen können. Und trotz dieser Qualitätsüberprüfung konnte die Bearbeitungszeit für Farbbilder von ehemals rund 15 Minuten auf mittlerweile noch rund eine Minute reduziert werden.“
Der Workflow
Alle (über Fotoware-Software ankommenden) Agenturbilder laufen zunächst in einen Bildeingangskorb im CCI-Redaktionssystem ein, in den auch alle Bilder von eigenen und freien Mitarbeitern gestellt werden. Die Integration mit dem Redaktionssystem stellt den Redakteuren die Bilder in ihrer Umgebung zur Verfügung. Ein vom Redakteur ausgewähltes Bild kann in unbearbeitetem Zustand (RGB-JPEG) direkt von ihm auf die Seite gezogen werden. Dann bestimmt er den Bildausschnitt und legt die Größe fest. Erst danach werden die Bilddaten als Raw-File und die dazugehörigen Metadaten (mit Angaben zur Bildgröße, zum Ausschnitt, Position usw. als XML-File) zur Optimierung an Claro von Elpical exportiert. Claro verfügt über verschiedene Repro-Kanäle, je nachdem ob das Bild für die Tageszeitung, fürs Web oder ein anderes Produkt, zum Beispiel für eine fremdproduzierte Beilage, bestimmt ist. Dementsprechend sind unterschiedliche Einstellungen (Ausgabeprofile) hinterlegt, nach denen die automatische Bearbeitung erfolgt. Außerdem kann festgelegt werden, ob alle Bilder an die Repro zur Kontrolle übergeben werden (wie es bei der Saarbrücker Zeitung der Fall ist), oder nur solche, die bestimmte zu definierende Kriterien nicht erfüllen.
Mit InSpector, einem Photoshop-PlugIn, kann der Bildbearbeiter an seinem Arbeitsplatz mit „next image“ die automatisch optimierten Bilder nacheinander zur Kontrolle bzw. Nachbearbeitung aufrufen. Er bekommt das bearbeitete Bild (in CMYK) neben dem Original (in RGB) vorgestellt. Nun stehen ihm zwei Optionen zur Wahl: entweder er akzeptiert das bearbeitete Bild („use processed“) oder er bearbeitet dieses nach. Ist die optimierte Version nicht zu verwenden, kann sofort das Originalbild bearbeitet werden, bevor er es an CCI zurückgegeben wird („use original“). Nach den Worten von Gerhard Merker ist das eine sehr sinnvolle Einrichtung, die sich direkt auf die Bildqualität und damit auf die gesamte Produktqualität auswirkt. Am Ende geht die komplette Seite an den PostScript-RIP und schließlich zum Belichter.
Archiviert werden die Bilder im Original (d. h. unbearbeitet). Das CCI-Redaktionssystem hält alle Versionen des Bildes bereit. Die Bilder (sowie die Texte, nicht aber die Seiten) werden mittels einer automatischen Routine über Nacht automatisch in das Elias-Archiv überstellt. Gleichzeitig werden die Bilder in einer für die Internetseite entsprechenden Version exportiert.
Der kleine Unterschied
Interessanter Unterschied zum allgemein verbreiteten Verfahren ist, dass die Bilder beim Workflow der Saarbrücker Zeitung nicht vorab bearbeitet werden, sondern erst, wenn Größe und Ausschnitt bestimmt wurden. „Die Bilder vorher zu optimieren halte ich für nicht sinnvoll“, sagt G. Merker und erläutert dies so: „Es ist ja schon ein Unterschied, ob Sie ein Bild einspaltig produzieren oder vierspaltig, gerade im Bereich der Schärfe. Die Schärfung muss in der Endgröße erfolgen, sonst haben Sie zwangsläufig eine Qualitätsverschlechterung. Genauso ist es, wenn nachträglich ein kleiner Ausschnitt aus einem großen, bereits optimierten Bild genommen wird. Das komplette Bild wäre vielleicht so in Ordnung gewesen, aber der Ausschnitt ist es deshalb noch lange nicht. Das Bild muss auf der Basis des tatsächlichen Ausschnitts optimiert werden.“ Ein zweiter Punkt betrifft die Datenmenge: „Wenn der Bildausschnitt feststeht, wird der nicht benötigte Rest außen herum entfernt. Die Bilddaten werden mit Claro dementsprechend umgerechnet. Damit reduziert sich der Datenumfang und die Auflösung wird optimiert.“ Das Programm führt die Farbraumtransformation bzw. Farbseparation von RGB nach CMYK über Profil durch.
Wie der Anwender bestätigt, ist Claro relativ einfach zu administrieren, alles ist komfortabel Browser-gesteuert und weitgehend automatisiert: „Ich denke, viel besser kann man es nicht machen.“
Aufwändiger war dabei die Realsierung der Schnittstelle zum CCI-Redaktionssystem, bei der die beiden Firmen Elpical und CCI zusammengearbeitet haben. Da war einige Abstimmung erforderlich, was letztendlich aber zu einem hoch integrierten Bildworkflow geführt hat.