Reproduzieren vollautomatisch – Wer braucht denn heute noch Photoshop?

26/10/2010 (All day)
Wer bei einem Discounter oder im Drogeriemarkt seine digitalen Aufnahmen abgibt, um für Oma und Opa ein Fotobuch mit Bildern der lieben Enkel anfertigen zu lassen, oder ein Album des letzten Urlaubs gedruckt in Händen halten will, der nutzt sie schon: Software, die reproduziert. Oder sagen wir besser: Software, die einen Teil der herkömmlichen Repro erledigt. Diese Programme versprechen, dass sie Bilder schön machen können. Es gibt einige Lösungen am Markt, die auch im professionellen Publishing genutzt werden. Eine dieser Bildoptimierungslösungen bietet zusätzlich eine Integration in Adobe InDesign an. Grund genug, dass wir uns das einmal genauer ansehen.

Claro Layout von Elpical

Elpical spaltete sich vom bekannten Kamerahersteller Hasselblad ab, um Software für die automatische Bildoptimierung zu entwickeln. Bei dieser Herkunft sollte man vermuten, das ein hoher Qualiätsanspruch und Bild-Knowhow vorhanden sind. 

Der große Software-Bruder von Claro Layout nennt sich Claro Premedia. Dabei handelt es sich um eine vollautomatische, hotfolderbasierte Bildoptimierungslösung, die für große Arbeitsgruppen gedacht ist. Große Verlagshäuser und Druckereien nutzen die eigens entwickelte Technologie CIIA (Claro Individual Image Analysis), um große Mengen von Bilddaten in kürzester Zeit zu optimieren. Wer es eine Nummer kleiner braucht, vielleicht sogar alleine arbeitet und InDesign nutzt, sollte sich Claro Layout ansehen. Es gibt noch weitere Familienmitglieder, die aber nur mit speziellen Workflow-Lösungen arbeiten. Die Maschine im Hintergrund ist immer CIIA.

Mit Claro Layout wird die Bildoptimierung direkt von InDesign heraus angestoßen und auf das Layout zugeschnitten.

 

Was macht Repro?

Wenn ein Produktioner ein digitales Bild geliefert bekommt, schaut er es sich üblicherweise erst einmal in Photoshop an und optimiert es bei Bedarf. Welche Parameter bzw. Bildeigenschaften werden dabei üblicherweise betrachtet und modifiziert?

  • Schärfe
  • Helligkeit
  • Kontrast
  • Farbbalance
  • Sättigung
  • Hauttöne

Er wird den Schwarz- und den Weißpunkt optimieren. Außerdem wird er sich das Bildrauschen ansehen (qualitätsreduzierendes Phänomen in dunklen Bildteilen) und ggf. eingreifen. Zum Schluss wird das Bild entweder in CMYK konvertiert oder es wird ein passendes ICC-Profil angehängt. Manche Produktioner machen sich die Mühe und ändern Bildgröße und Beschnitt so, dass das Bild mit einer Skalierung von 100 % im InDesign-Dokument steht.

Gerne wird über diese Notwendigkeit diskutiert. Dass es der Bildqualität gut tut, dies zu tun, weil so ein Resamplen beim PDFExport oder Druck vermieden werden kann, ist unbestritten. Ob sich der händische Aufwand im Verhältnis zum qualitativen Vorteil lohnt, wird jedoch heftig diskutiert. Manchmal ist es außerdem notwendig, ein Bild in eine einfarbige Variante zu konvertieren.

 

Was kann Claro?

Und all diese Schritte erledigt Claro Layout für Sie. Im Gegensatz zu herkömmlichen Arbeitsweisen optimiert Claro den Kontrast nicht nur hinsichtlich des kompletten Bildes, sondern auch partiell, also in einzelnen Bildteilen, wenn nötig. Claro analysiert neben Hauttönen auch Grüntöne (also alles, was mit Vegetation zu tun hat) und optimiert diese Bildteile ebenfalls partiell.

Als kleines Schmankerl bietet Claro an, dass auf Wunsch das Ergebnisbild aus zwei Ebenen aufgebaut wird. Das bedeutet, dass das Original in einer Ebene liegt und das von Claro optimierte Bild in einer Ebene darüber. Nun kann der Produktioner das Bild in Photoshop öffnen und sehen, was Claro im Unterschied zum Original verändert hat. Über Ebenenmasken können Teile von Claro übernommen werden. Vielleicht wurde der Hautton schön getroffen, aber im Bereich der Haare soll die Korrektur nur abgeschwächt angewandt werden.

Claro kann natürlich keine Freisteller machen. Stören Bildbestandteile, kann Claro ebenfalls nicht wegretuschieren, und wenn es notwendig ist, das Bild zu bereinigen, hilft nur der Griff in die Zauberkiste von Photoshop durch den gewieften Anwender.

Aber in den Disziplinen, die Claro beherrscht, ist das Programm natürlich viel schneller als jeder Operator. Je nach verwendeter Hardware und Aufgabenstellung verspricht der Hersteller, dass mehrere 100 Bilder pro Stunde verarbeitet werden können. Und vor allem bei der Anpassung an Größe und Auflösung des Bildes an den Bildrahmen in InDesign ist Claro klar im Vorteil. Das schafft niemand manuell so schnell.

Aber kann eine Software Parameter wie Farbe, Kontrast und Schärfe tatsächlich so gut beurteilen wie ein Mensch mit professioneller Ausbildung und Erfahrung? Ist Farbe bzw. der Farbeindruck nicht sehr menschlichen und damit emotionalen Kriterien unterworfen? Kann Bildoptimierungssoftware den Reprografen ebenso arbeitslos machen wie DTP-Software den Schriftsetzer vor 20 Jahren? Dazu später mehr.   

 

Arbeitsablauf

Nach der Installation des Programms befindet sich die eigentliche Bildbearbeitungssoftware auf dem Rechner und ein Plug-in für InDesign wurde installiert. Dieses Plug-in erzeugt einen neuen Menüpunkt in InDesign namens Claro. Unter Einstellungen... legt man die Verarbeitungsparameter fest. Hat man einmal seine Einstellungen gefunden, muss man dieses Fenster nicht mehr öffnen. Mit optimieren... wird der eigentliche Prozess gestartet. 

Nun öffnet sich das Fenster Claro Layout bearbeiten in dem man die zu verarbeitenden Bilder definiert (ausgewählte Bilder, alle Bilder der Seite oder des Dokuments) und in dem man anschließend den Optimierungsprozess startet.

Alles Weitere läuft nun im Hintergrund ab. Je nach Einstellung wird auch das Dateiformat verändert und das neue Bild im InDesign-Dokument verknüpft. Es werden alle gängigen Bilddateiformate unterstützt, sowohl beim Dateneingang als auch beim Datenerzeugen.

 

Wie gut ist Claro?

Aber was ist mit der Qualität? Wie gut macht Claro seinen Job? Für viele große und kleine Medienunternehmen lautet die Antwort, dass Claro einen guten Job macht. Die Referenzliste liest sich beeindruckend: Transcontinental (viertgrößte Druckerei in Nordamerika), New York Times, Playboy, USA Today und in Deutschland Frankfurter Allgemeine Zeitung und Saarbrücker Zeitung.

Aber der wichtigste Referenzuser sind Sie. Besorgen Sie sich eine Testlizenz und testen Sie das Produkt auf Herz und Nieren. Lassen Sie einmal einen Teil Ihrer Produktion durch diesen Bildoptimierer laufen und betrachten Sie unvoreingenommen die Proofs.

Ein großer Vorteil von Claro Layout ist die einfache Bedienbarkeit. Wer mit dem Standardsetup nicht zufrieden ist, hat zwar viele Regler zur Verfügung, die Schaltzentrale ist jedoch auf ein Fenster beschränkt. Vielleicht werden ein paar Proofs nötig sein, aber hier sollte jeder, der mit den Fachbegriffen etwas anfangen kann, sein Setup finden können. Bemängeln könnte man jedoch, dass man keine Sets abspeichern kann. Denkbar wäre, dass es Sets für Bilder eines bestimmten Fotografen gibt. Oder dass man für eine bestimmte Session oder verschiedene Sujets (Außenaufnahme, Porträts, Stills, ...) eigene Einstellungen sichern und später aufrufen kann. Spätestens bei der Entscheidung, ob man ein farbiges Ergebnis möchte oder ob die Bilder in Graustufen konvertiert werden sollen, wird der Sinn von abspeicherbaren Sets klar.

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